
Präzision in der Trümmersuche
Wie findet ein Rettungshund die tatsächliche Quelle menschlichen Geruchs? Wie lernt er, Geruchsinformationen selbstständig auszuwerten und ihnen auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig zu folgen? Und wie wird aus der präzisen Ortung schließlich eine stabile Anzeige?
Bei einem dreitägigen Trümmersuchkurs in Povegliano, Italien, trainierten Rettungshundeteams unter der Leitung von IRO Leadtrainer Borut Modic genau diese Fähigkeiten.
Im Mittelpunkt standen die Selbstständigkeit der Hunde, eine zunehmende Arbeitsdistanz zum Hundeführer, intensive Geruchsarbeit, präzise Mikroortung und ein stabiles Anzeigeverhalten.
Der Nase vertrauen
Nimmt ein Rettungshund menschlichen Geruch wahr, beginnt die eigentliche Arbeit erst. Er muss der Geruchsinformation folgen und selbstständig herausarbeiten, wo sich deren Quelle tatsächlich befindet. Bei der sogenannten Mikroortung überprüft der Hund unterschiedliche Richtungen und mögliche Geruchsaustrittsstellen, bis er die Quelle präzise lokalisiert.
Trainiert wurde mit vollständig verdeckten und erhöhten Versteckpersonen sowie in geschlossenen Räumen und Tunneln. Dabei lernten die Hunde auch, ihre Suche ohne Sichtkontakt zum Hundeführer und in völliger Dunkelheit fortzusetzen. Entscheidend ist: Nicht eine Erwartung oder die Erinnerung an eine vorherige Suche soll den Hund leiten, sondern die aktuelle Geruchsinformation.
Herausforderungen Schritt für Schritt steigern
Auch anspruchsvolle Trümmerstrukturen, Höhenunterschiede und instabile Untergründe waren Teil des Trainings. Eine stark schwankende Hängebrücke verlangte den Hunden beispielsweise Balance, Selbstvertrauen und die Bereitschaft ab, sich trotz des anspruchsvollen Untergrunds weiterzubewegen.
Die Anforderungen wurden dabei gezielt schrittweise erhöht. Erst wenn ein Element sicher bewältigt wurde, kam die nächste Herausforderung hinzu. So wurde beispielsweise zunächst das sichere Überqueren eines schwierigen Untergrunds trainiert, bevor im nächsten Schritt die korrekte Anzeige am Fundort hinzukam.
Auch diese Anzeige wurde gezielt trainiert. Der Hund soll die gefundene Person klar, ausdauernd und fokussiert verbellen und seine Position beibehalten, auch wenn sich der Hundeführer nähert und somit einen Ablenkungsreiz darstellt.
Genau diese Detailarbeit ist kennzeichnend für ein hochwertiges Rettungshundetraining. Denn im Einsatz müssen Hunde komplexe Situationen selbstständig lösen, sich sicher in schwierigem Gelände bewegen und menschlichen Geruch zuverlässig bis zu seiner Quelle verfolgen. Diese Fähigkeiten entstehen nicht zufällig. Sie werden Schritt für Schritt aufgebaut, gefestigt und immer wieder unter neuen Bedingungen trainiert.




Fotos: Marlin Prauss
