
Wenn aus Training Verantwortung wird
Michal Palovičs erster internationaler Katastropheneinsatz mit Rettungshund Zerro
Als sich die Tür des Flugzeugs öffnet, schlägt Michal die feucht-heiße Luft Venezuelas entgegen. Wenige Tage zuvor hatten zwei schwere Erdbeben das Land erschüttert. Internationale Such- und Rettungsteams unterstützen die lokalen Einsatzkräfte bei der Suche nach Verschütteten.
Noch bevor der Einsatz beginnt, kreisen Michals Gedanken um Zerro. Würde sein Hund mit der drückenden Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit zurechtkommen? Würde er die nötige Ausdauer haben, um den Belastungen über mehrere Einsatztage hinweg standzuhalten?
Kein Training kann das Chaos eines echten Einsatzes vollständig nachbilden.
Michal Palovič, Rettungshundeführer aus der Slowakei
Kurz nach ihrer Ankunft beginnt für Michal und Zerro die Suche in den eingestürzten Gebäuden. Lärm schwerer Maschinen, zahlreiche Einsatzkräfte und der Geruch menschlicher Überreste prägen den Einsatzalltag. Dennoch arbeitet Zerro vom ersten Tag an konzentriert und zuverlässig.
Erst acht Monate zuvor hatten Michal und Zerro den IRO Mission Readiness Test (MRT) erfolgreich absolviert. Rückblickend ist Michal davon überzeugt, dass die realitätsnahen Szenarien des Einsatztests sie gut vorbereitet haben. Sie lernten, unter Druck zu arbeiten, sich auf wechselnde Situationen einzustellen und als Team zuverlässig zusammenzuarbeiten.

Gemeinsam mit ihren Teamkollegen des slowakischen Medium Urban Search and Rescue (MUSAR) Teams arbeiten sie sich durch die zugewiesenen Suchgebiete. Jeder Einsatz verlangt dem Team Konzentration und Ausdauer ab.
Während einer Suche hört das Team plötzlich Klopfzeichen unter den Trümmern. Sofort beginnen die Einsatzkräfte mit der Bergung. Mehr als zehn Stunden lang arbeiten sie daran, die verschüttete Person zu erreichen. Doch am Ende kommt jede Hilfe zu spät.
„Das war unglaublich emotional“, sagt Michal. „Dieser Moment wird mich mein Leben lang begleiten.“

Trotz der belastenden Erfahrungen bleibt Michal vor allem der Zusammenhalt der internationalen Teams in Erinnerung. Der Austausch mit erfahrenen Kollegen macht ihm deutlich, wie wichtig gegenseitige Unterstützung in solchen Einsätzen ist. Gleichzeitig geben Berichte über Menschen, die selbst noch Tage nach den Beben lebend gefunden wurden, dem gesamten Team immer wieder neue Hoffnung.
Nach seiner Rückkehr benötigt Michal Zeit, um das Erlebte körperlich und mental zu verarbeiten. Trotzdem steht für ihn fest, dass er jederzeit wieder helfen wird.
Nur wenige Tage später kehren er und Zerro ins Trümmertraining zurück. Zunächst geht es dort darum, Zerro nach den Erfahrungen des Einsatzes die Motivation und Begeisterung für die Sucharbeit zurückzugeben. Das gelingt: Zerro zeigt erneut, mit welcher Hingabe er arbeitet und wie sehr er seine Aufgabe liebt.
Die Erfahrungen aus Venezuela werden Michal und Zerro auf ihrem weiteren Weg begleiten. Für Michal ist dieser Einsatz kein Abschluss, sondern Ansporn: Er möchte seine Fähigkeiten weiter ausbauen, um für kommende Einsätze gerüstet zu sein.
Hilf mit, Rettungshundeteams wie Michal und Zerro auf ihren Einsatz vorzubereiten
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Autor: Daniela Rupp
Fotos: MUSAR, Horská záchranná služba
