19.08.2020Helden im Einsatz: Petr Svoboda über den Einsatz in Beirut

Nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut Anfang August wurden Einsatzkräfte aus mehreren Nationen mobilisiert, um die Suche nach Überlebenden vor Ort zu unterstützen. Darunter ein USAR (Urban Search and Rescue) Team aus Tschechien, dem auch die beiden IRO geprüften Rettungshundeteams Petr Svoboda mit Hund Diego und David Hynek mit Hund Darren angehörten. Beide sind aktive Rettungshundeführer der IRO Mitgliedsorganisation SIRIUS und engagierte Feuerwehrmänner bei Hasičský záchranný sbor ČR (HZS ČR). Mittlerweile sind beide wieder zurück in Tschechien und Petr berichtet über die Ereignisse rund um den internationalen Einsatz.

 

Der 5. August 2020 wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Die schwerwiegende Explosion in einer Lagerhalle im Hafen von Beirut tags davor war vorherrschendes Diskussionsthema unter uns Kollegen auf der Feuerwehrwache. Kurze Zeit später kam bereits ein Anruf der HZS ČR Generaldirektion, mit der Frage, ob ich bereit wäre, gemeinsam mit Diego als Teil des tschechischen USAR Teams nach Beirut zu fliegen. Meine Antwort lautete, ohne zu zögern: „JA“. Plötzlich ging alles sehr schnell und ich begann eine Packliste im Kopf zu erstellen, um sicherzugehen, dass ich auch nichts vergesse.

 

Nachdem ich die vorgeschriebene Ausrüstung gepackt hatte, ging es für mich und meinen vierbeinigen Partner Diego von Hlučín zu einem Sammelpunkt nach Prag, an dem sich das gesamte USAR Team traf. Wir wurden einer medizinischen Untersuchung unterzogen, einschließlich eines Tests auf das Coronavirus. Die Ausrüstung, Dokumente und sonstige Gegenstände, die für die Reise in das Katastrophengebiet notwendig waren, wurden inspiziert. Nachdem alle notwendigen Überprüfungen abgeschlossen waren, ging es für uns mit dem Bus weiter zum Flughafen.

 

Am Flughafen angekommen, wartete ein Tierarzt auf uns Hundeführer und überprüfte vor der Abreise den Zustand der Hunde. Als auch unsere Vierbeiner grünes Licht für die Reise bekamen, ging es weiter zum Check-In und letztlich zum Gate. Die Hunde waren sichtlich unruhig. Sie verspürten ein erhöhtes Maß an Adrenalin, Nervosität und Aufregung angesichts der bevorstehenden Herausforderung. Der zeremonielle Akt mit der Vorlage eines Berichts an den tschechischen Innenminister Jan Hamáček sowie einer Pressekonferenz mit geladenen Journalisten vor dem wartenden Flugzeug bestätigte allen die Bedeutung unserer Mission.

 

Die zum Zeitpunkt der Abreise vorherrschenden hohen Temperaturen ließen bereits erahnen, dass es auch am Einsatzort heiß sein wird. Keiner von uns hatte jedoch diese regelrechte „Gewächshaus-Atmosphäre“ erwartet. Obwohl wir spät in der Nacht in Beirut ankamen, war die Hitzebelastung aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit enorm. Selbst im Stehen lief uns der Schweiß runter.

 

Am Flughafen Beirut wurden wir von Mitarbeitern der tschechischen Botschaft sowie Vertretern der libanesischen Armee, die die Rettungsarbeiten am Ort der Explosion und in unmittelbarer Umgebung leitete, empfangen. Nachdem die Armee unser Material und die Ausrüstung aus dem Flugzeug entladen hatte, wurden wir in unsere Unterkunft gebracht.

 

Am nächsten Morgen gab es ein Treffen aller frisch eingetroffenen Teams und die Suchareale wurden nach Nationen aufgeteilt. Das uns zugewiesene Gebiet wurden zunächst von einem Statiker untersucht, welcher Stellen identifizierte, die von unserem Team aufgrund erhöhter Einsturzgefahr gemieden werden mussten. Aufgrund der vorherrschenden Umstände, mit Temperaturen um die
50 °C, Trümmerteilen und Scherben überall, war eine sorgfältige Planung essenziell, um die Sicherheit aller Einsatzkräfte und die der Hunde zu jeder Zeit zu gewährleisten. Nach entsprechender Vorbereitung begannen wir mit dem Einsatz unserer Hunde, um unter den Trümmern nach Überlebenden zu suchen.

 

Die Sucharbeiten durften nur tagsüber stattfinden und mussten vor Einbruch der Dunkelheit beendet werden. Mit ein Grund dafür, waren wohl die Proteste und Unruhen in der Innenstadt. Dank der Internetverbindung im Camp konnten wir die aktuelle Situation stets verfolgen.

 

Nach dem Wochenende konnten wir unsere Aktivitäten in Beirut erfolgreich beenden und wieder in unsere Heimat zurückkehren.

 

Zusammenfassend war es eine aufregende Erfahrung für das gesamte Team. Ich bin stolz, dass ich gemeinsam mit Diego diese außergewöhnliche Mission unterstützen durfte, und es ist großartig, dass die Tschechische Republik in so kurzer Zeit Hilfe schicken konnte. Das gesamte Team hat hervorragende Arbeit geleistet, und die laufenden intensiven Vorbereitungen auf derartige Einsätze haben sich bezahlt gemacht. Unsere Hunde haben ebenfalls maximalen Einsatz gezeigt, und selbst leichte Blessuren an den Pfoten taten ihrem Arbeitswillen keinen Abbruch. Mit ihren Leistungen bestätigten sie, dass sie ein unersetzlicher Teil des Teams sind.

 

Vielen Dank an alle, die an der internationalen Mission teilgenommen haben.

 

Petr Svoboda – SIRIUS
 

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