29.01.2021Helden im Einsatz: Gasexplosion mit Hauseinsturz

Sechs Verletzte und einen Toten forderte die Explosion in einem Mehrparteienhaus in Langenzersdorf (AT), die sich am Morgen des 29. Jänners 2021 ereignet hatte. Mehrere Stockwerke wurden durch die Detonation zerstört. Ein Großaufgebot an Einsatzkräften war vor Ort, darunter auch Rettungshundeteams der IRO Mitgliedsorganisation SKV-KHD. IRO Einsatzreferent Markus Bock stand mit Hund Egmont ebenfalls im Einsatz und schildert das Geschehen.

 

Am 29. Jänner um etwa 8.00 Uhr kam es zu einer folgenschweren Gasexplosion in Langenzersdorf im Bezirk Korneuburg, Österreich. Gemäß dem gültigen Alarmierungsplan „B-4“ für solch einen Fall wurden durch die Nachrichtenzentrale „Florian Stockerau“ unverzüglich die freiwillige Feuerwehr Langenzersdorf, sowie weitere Feuerwehrkräfte aus den Gemeinden Korneuburg, Bisamberg und Stockerau alarmiert. Ebenso wurden die Kräfte des Roten Kreuzes und der Berufsrettung Wien zur Hilfe gerufen. Eine Löschbereitschaft der Wiener Berufsfeuerwehr wurde gleichzeitig in Marsch gesetzt.


Gemäß der Anforderung der Nachrichtenzentrale Stockerau mit dem Wortlaut „Hauseinsturz nach Gasexplosion“ wurden zusätzlich Kräfte des Katastrophenhilfsdienstes der Feuerwehr Wien mit den Einsatzgruppen „technische Ortung“ und „Rettungshunde“ nach Langenzersdorf entsendet.


Da ich in Korneuburg, der Nachbarortschaft von Langenzersdorf wohne, machte ich mich mit meinem Hund Egmont nach erhaltenem Einsatzauftrag sofort auf den Weg zur Unglücksstelle. Dort stellte sich die Lage wie folgt dar: 


Durch eine Gasexplosion war eine Wohnanlage mit etwa 40 Wohnparteien an der Südostecke stark beschädigt. Davon waren vier Wohnungen auf zwei Stockwerken völlig kollabiert, die angrenzende noch intakte Dachkonstruktion stand in Vollbrand. Auch im Bereich der Einsturzstelle loderten kleinere Brände.


Um den Brand unter Kontrolle zu bringen, führten die Kräfte der Feuerwehr die Brandbekämpfung von außen über zwei Drehleitern sowie vom Boden aus durch. Im Inneren der Hausanlage wurde ebenfalls ein Löschangriff vorgetragen. Innerhalb von etwa zehn Minuten nach meinem Eintreffen war der Großbrand des Daches unter Kontrolle und die Feuerwehren begannen die Glutnester und Schwelbrände unter der eingestürzten Dachkonstruktion zu bekämpfen.


Parallel zur Brandbekämpfung wurde seitens der Einsatzleitung entschieden, erste Ortungsversuche mit biologischen und technischen Mitteln durchzuführen. Dazu wurden mittels Drehleitern und Hubrettungsbühnen zwei Rettungshundeteams in die teilweise eingestürzten Wohnungen abgesetzt. Die Stärke der Rettungshundegruppe KHD Feuerwehr Wien betrug zu diesem Zeitpunkt bereits sieben Hundeführer mit zehn Rettungshunden.


Nachdem dieser Versuch einer Ortung erfolglos verlief, wurden während die technische Ortungsgruppe mit Ortungskameras arbeitete, ein weiterer Ansatz von Rettungshunden über das Stiegenhaus versucht. Dieser gestaltete sich jedoch undurchführbar, da das Stiegenhaus ab dem ersten Obergeschoß derartig stark verraucht war, dass ein Weiterkommen nur unter Verwendung eines umluftunabhängigen Atemschutzgerätes möglich gewesen wäre und daher auch Rettungshunde hier nicht weiterkonnten.


Wir bezogen daraufhin mit unseren Hunden einen Bereitstellungsraum nahe des Unglücksortes, um die weitere Entwicklung der Lage abzuwarten. Gegen 12.00 Uhr erhielten wir die Information, dass alle Bewohner des Hauses von der Polizei erreicht werden konnten – bis auf einen. Die Wohnung dieser Person hatte sich im völlig zerstörten dritten Obergeschoß befunden.


Daher musste von der Einsatzleitung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass ein Überleben unter den Umständen, welche direkt nach dem Einsturz herrschten, nicht möglich war. Aus diesem Grund und aufgrund der massiven Einsturzgefahr wurde der Einsatz für die Rettungshunde durch die Einsatzleitung abgebrochen.


Nach weiteren sechs Stunden wurde unter den Trümmern der leblose Körper des vermissten Mannes gefunden, nachdem der Schuttkegel durch eine Spezialfirma und den vereinten Kräften von Feuerwehr und Bundesheer abgetragen wurde. Für ihn kam jede Hilfe zu spät.

 

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Markus Bock – IRO Einsatzreferent

 

 

Fotos: SKV-KHD

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